Das Prinzip des «gelisteten Lebens»
Donnerstag, 24. September 2026
Mein Leben zwischen Kästchen und Chaos.
Ich habe Listen. Viele Listen. Eine Einkaufsliste auf dem Handy , mehrere To do-Listen auf dem Schreibtisch, eine Liste mit Ideen für später und auch eine Liste mit Listen. Es ist beruhigend, Dinge aufzuschreiben. Sobald ein Gedanke auf einer Liste steht, wartet er ordentlich in einer Reihe, statt weiterhin wild im Kopf herumzuschwirren.
Mit dieser Vorliebe bin ich in bester Gesellschaft. Das Periodensystem ordnet die Elemente, die Biologie katalogisiert Arten und Forschung arbeitet mit Datenreihen, Tabellen und Verzeichnissen. Noch wichtiger sind Checklisten in der Luftfahrt oder Medizin. Dort wird geprüft, bestätigt und abgehakt – sie schaffen Sicherheit.
Im Alltag sind meine Listen weniger dramatisch. Sie erinnern mich an Milch, E-Mails oder einen längst fälligen Anruf. Manchmal enthalten sie auch grössere Wünsche oder mehr Zeit für Menschen, die mir wichtig sind. Dann wird aus einer Liste fast so etwas wie eine kleine Landkarte für das eigene Leben.
Das «gelistete Leben» bewegt sich so mit zwischen Ordnung und Freiheit. Listen sind Werkzeuge – sie können leiten, aber nicht leben. Am Ende bleibt die Kunst, sie zu nutzen, ohne sich von ihnen bestimmen zu lassen. Und manches, was wirklich zählt, kann man ohnehin nicht abhaken.